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Schwanger und noch nicht versichert: Kann man jetzt noch eine Mutterschafts-Zusatzversicherung abschliessen?

Sie erwarten ein Kind und stossen auf die Grenzen Ihrer Zusatzversicherung? So funktionieren Vorbehalte und Wartefristen, wenn die Schwangerschaft bereits gemeldet ist.

Von Équipe JA Technology ·

Patient mit einem Betreuungsteam
Illustration: Ihr Kündigungsrecht in der Schweiz, einfach erklärt.Photo : Mennonite Church USA Archives · No restrictions

Der Praxisfall: ein spaeter Abschluss bei bereits bekanntem Risiko

Stellen wir uns Frau R. vor, im zweiten Monat schwanger, die feststellt, dass ihr Vertrag nur ein allgemeines Zimmer abdeckt. Sie moechte eine Spital-Zusatzversicherung hinzufuegen, um bei der Geburt von einem Privatzimmer zu profitieren. Das Problem: Der VVG-Versicherer beurteilt das Risiko zum Zeitpunkt des Antrags. Eine bereits gemeldete Schwangerschaft ist kein ungewisses Ereignis mehr, sondern eine bekannte Tatsache, was die Aufnahmebedingungen grundlegend veraendert.

In der Zusatzversicherung gilt der Grundsatz, dass ein bereits eingetretenes oder unmittelbar bevorstehendes Ereignis nicht versichert werden kann. Konkret wird die laufende Schwangerschaft fast immer von den Mutterschaftsleistungen des neuen Vertrags ausgeschlossen. Frau R. kann aufgenommen werden, jedoch mit einem namentlichen Vorbehalt auf die bevorstehende Geburt: Die mit diesem konkreten Ereignis verbundenen Kosten werden nicht uebernommen, auch wenn der uebrige Vertrag in Kraft tritt.

Vorbehalte und Wartefristen: zwei unterschiedliche Mechanismen

Der Vorbehalt ist ein gezielter, im Vertrag festgehaltener Ausschluss, der ein bestimmtes Risiko im Zusammenhang mit Ihrem Gesundheitszustand beim Abschluss ausklammert. Bei einer gemeldeten Schwangerschaft betrifft dieser Vorbehalt die laufende Mutterschaft und mitunter ihre absehbaren Komplikationen. Er wird in der Regel schriftlich formuliert und zeitlich begrenzt, gilt aber vollumfaenglich fuer die bereits geplante Geburt.

### Die besondere Wartefrist fuer Mutterschaft Viele VVG-Versicherer verlangen zudem eine Wartefrist, bevor die Mutterschaftsleistungen wirksam werden. Diese vertraglich oft auf mehrere Monate festgelegte Frist bedeutet, dass eine zu kurz nach dem Abschluss beginnende Schwangerschaft nicht gedeckt ist. Deshalb lautet die goldene Regel, die Zusatzversicherung deutlich vor jedem Kinderwunsch abzuschliessen, idealerweise mehrere Monate vor der Empfaengnis.

Was die KVG deckt: Ihr eigentliches Sicherheitsnetz

Bevor man sich um die VVG sorgt, sei daran erinnert, dass die obligatorische Krankenpflegeversicherung saemtliche medizinischen Leistungen der Mutterschaft uebernimmt. Ab der 13. Schwangerschaftswoche und bis acht Wochen nach der Geburt sind Sie von jeder Kostenbeteiligung befreit: weder Franchise noch Selbstbehalt von 10 %. Schwangerschaftskontrollen, Geburt im allgemeinen Zimmer, Nachsorge und Stillberatung sind vollumfaenglich gedeckt.

Die Zusatzversicherung fuegt medizinisch also nichts hinzu: Sie finanziert den Hotelkomfort und die Wahlfreiheit. Erhaelt Frau R. fuer diese Geburt nur ein allgemeines Zimmer, kommt ihr Kind unter identischen Behandlungsbedingungen zur Welt. Das Neugeborene wiederum erhaelt eine rueckwirkende KVG-Aufnahme, wenn es innerhalb von drei Monaten nach der Geburt angemeldet wird, was seine Deckung ab dem ersten Tag sicherstellt.

Der richtige Zeitpunkt: vorausschauen statt reagieren

Die zentrale Lehre dieses Falls ist zeitlicher Natur: Die Mutterschafts-Zusatzversicherung sollte vor der Empfaengnis abgeschlossen werden, nicht waehrend der Schwangerschaft. Solange keine Schwangerschaft gemeldet ist, verfuegt der Versicherer ueber keine Tatsache, die einen Vorbehalt auf die Mutterschaft rechtfertigt, und die Wartefrist kann in Ruhe ablaufen. Mindestens ein Jahr vorauszuplanen ist eine umsichtige Strategie fuer jede Frau, die mittelfristig eine Schwangerschaft erwaegt.

Ist die Schwangerschaft bereits da, verschiebt sich die Fragestellung: Es gilt, das Verhaeltnis zwischen den Kosten der Zusatzpraemien und dem tatsaechlich erzielten Nutzen abzuwaegen, wohl wissend, dass die laufende Geburt ausgeschlossen ist. Ein Abschluss kann dennoch fuer kuenftige Schwangerschaften oder andere VVG-Leistungen sinnvoll sein, nicht aber zur Finanzierung der unmittelbar bevorstehenden Geburt. Eine persoenliche Beratung erlaubt den Vergleich der Vorbehaltsbedingungen zwischen den Versicherern, die spuerbar variieren.

Kuendigung und Wechsel der Zusatzversicherung waehrend der Schwangerschaft

Viele werdende Muetter erwaegen, waehrend der Schwangerschaft den VVG-Versicherer zu wechseln, in der Hoffnung auf bessere Leistungen. Das ist selten ratsam: Eine bestehende Zusatzversicherung zu kuendigen, um eine neue abzuschliessen, bedeutet, die erworbene Anwartschaft zu verlieren und sich vom neuen Versicherer einen Vorbehalt auf die gemeldete Schwangerschaft entgegenhalten zu lassen. Sie riskieren, schlechter versichert zu sein als zuvor.

### Vertraege pruefen, bevor Sie handeln Lesen Sie vor jeder Kuendigung die Bedingungen Ihrer aktuellen Zusatzversicherung erneut: Vielleicht deckt sie die Mutterschaft bereits, falls Sie sie vor der Empfaengnis abgeschlossen haben. VVG-Vertraege folgen eigenen Regeln zu Ablauf und Kuendigungsfrist, getrennt von der KVG-Grundversicherung, deren Kuendigungsfrist einen Monat auf Ende November betraegt. Behalten Sie Ihre bestehende Deckung, solange keine klar bessere und vorbehaltlos akzeptierte Alternative schriftlich bestaetigt ist.

Gut zu wissen

Die Mutterschaft der Grundversicherung (Kontrollen, Geburt, Nachsorge) wird vollstaendig von der obligatorischen KVG uebernommen, ab der 13. Schwangerschaftswoche ohne Franchise und ohne Selbstbehalt. Die VVG-Zusatzversicherung deckt nur den Komfort: Privatzimmer, freie Klinikwahl, Zusatzleistungen. Wird sie nach der Empfaengnis abgeschlossen, folgt fast immer ein Vorbehalt oder eine Ablehnung fuer die laufende Schwangerschaft.

Häufige Fragen

Kann ich noch ein Privatzimmer erhalten, wenn ich schwanger eine VVG abschliesse?
Fuer die laufende Geburt ist das sehr unwahrscheinlich: Da die Schwangerschaft bereits gemeldet ist, setzt der Versicherer einen Vorbehalt, der dieses konkrete Ereignis ausschliesst. Fuer kuenftige Schwangerschaften oder andere Leistungen koennten Sie aufgenommen werden, doch der Hotelkomfort der bevorstehenden Geburt wird in der Regel nicht finanziert. Pruefen Sie die genaue Reichweite des Vorbehalts stets schriftlich vor der Unterschrift.
Kostet die Schwangerschaft etwas, wenn ich nur die KVG habe?
Nein, fuer die medizinischen Leistungen. Ab der 13. Schwangerschaftswoche und bis acht Wochen nach der Geburt befreit die obligatorische Versicherung von jeder Beteiligung: keine Franchise, kein Selbstbehalt von 10 %. Kontrollen, Geburt im allgemeinen Zimmer und Nachsorge sind vollumfaenglich gedeckt. Die Zusatzversicherung dient nur dem Komfort und der freien Wahl des Spitals.
Wann ist der beste Zeitpunkt fuer eine Mutterschafts-Zusatzversicherung?
Vor der Empfaengnis, idealerweise mehrere Monate im Voraus. Solange keine Schwangerschaft gemeldet ist, kann der Versicherer keinen Vorbehalt auf die Mutterschaft setzen und die vertragliche Wartefrist kann ablaufen. Etwa ein Jahr vor einem Kinderwunsch vorauszuplanen ist die sicherste Strategie, um die Komfortleistungen am Tag der Geburt voll zu nutzen.

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