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Psychotherapie: Was die Grundversicherung übernimmt und wann eine ambulante VVG-Zusatzversicherung den Unterschied macht
Seit der Reform zum Anordnungsmodell wird Psychotherapie besser von der Grundversicherung getragen. Offen bleibt, wann eine VVG-Zusatzversicherung die Deckung wirklich erweitert und welche Rolle Vorbehalte beim Abschluss spielen.
Von Équipe JA Technology ·

Was die Grundversicherung seit der Reform zum Anordnungsmodell übernimmt
Vor 2022 wurde Psychotherapie durch Psychologinnen und Psychologen nur im sogenannten delegierten Modell von der KVG vergütet, also in der Praxis und unter ärztlicher Verantwortung. Seit Einführung des Anordnungsmodells kann ein psychologischer Psychotherapeut mit Berufsausübungsbewilligung direkt zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung abrechnen, sofern eine ärztliche Anordnung vorliegt. Diese Änderung hat den Zugang geklärt und die Versorgung bei häufigen psychischen Störungen professionalisiert.
Konkret deckt die Anordnung einen ersten Block von Sitzungen ab, gefolgt von einer Neubeurteilung: Eine Weiterführung darüber hinaus erfordert einen Bericht und gegebenenfalls die Zustimmung des Vertrauensarztes der Krankenkasse. Die Kosten unterliegen den üblichen KVG-Regeln: Zuerst zahlen Sie Ihre gewählte Jahresfranchise, danach den Selbstbehalt von 10 Prozent, der bei Erwachsenen auf 700 CHF pro Jahr begrenzt ist. Die Grundversicherung macht Psychotherapie somit nicht kostenlos, aber zugänglich und geregelt.
Wo die Grundversicherung endet und eine ambulante VVG-Zusatzversicherung erweitert
Die obligatorische Versicherung stellt strenge Bedingungen: Anordnung, zugelassener Therapeut, anerkannte Methode und begrenzte Sitzungszahl. Manche Situationen fallen jedoch aus diesem Rahmen. Dazu zählen eine Behandlung bei einem nicht zur KVG-Abrechnung berechtigten Therapeuten, von der Grundversicherung nicht anerkannte Komplementärmethoden, Coaching oder Persönlichkeitsentwicklung sowie der Bedarf an zusätzlichen Sitzungen, sobald das Kontingent der Grundversicherung ohne genehmigte Verlängerung ausgeschöpft ist. Für diese Fälle kann nur eine Zusatzdeckung einspringen.
### Die Rolle einer ambulanten Zusatzversicherung Eine sogenannte ambulante oder Gesundheits-Zusatzversicherung nach VVG kann je nach allgemeinen Versicherungsbedingungen einen Teil dieser ausserhalb der Grundversicherung liegenden Kosten übernehmen. Die Verträge sehen oft einen Erstattungsprozentsatz und eine Jahreshöchstgrenze vor, teils gebunden an die Eintragung des Therapeuten auf einer vom Versicherer anerkannten Methodenliste. Prüfen Sie vor dem Abschluss den genauen Umfang: nicht ärztliche Psychotherapie, Komplementärmedizin, Jahresgrenze und Erstattungssatz unterscheiden sich stark zwischen den Produkten.
Vorbehalte und Gesundheitsfragebogen: der heikle Punkt beim Abschluss
Anders als die KVG, die obligatorisch und ohne Risikoselektion ist, untersteht die VVG dem Privatrecht: Der Versicherer muss Sie nicht aufnehmen und kann die Bedingungen je nach Gesundheitszustand anpassen. Beim Abschluss füllen Sie einen Gesundheitsfragebogen aus. Geben Sie eine laufende oder kürzliche psychotherapeutische Behandlung an, kann der Versicherer einen Vorbehalt aussprechen, also Leistungen im Zusammenhang mit dieser vorbestehenden Störung für eine festgelegte Zeit oder dauerhaft von der Erstattung ausschliessen.
Zwei Fallstricke gilt es zu vermeiden. Erstens der Abschluss kurz vor Beginn einer Therapie, um einen Vorbehalt zu umgehen: Ein bereits bekanntes Leiden oder bereits vorhandene Symptome können als vorbestehend gelten. Zweitens unvollständige oder unrichtige Angaben im Fragebogen: Eine Anzeigepflichtverletzung kann den Versicherer berechtigen, Leistungen zu verweigern oder den Vertrag aufzulösen. Transparenz bleibt der beste Schutz; gibt es einen Vorbehalt, lesen Sie die genaue Tragweite jeder Ausschlussklausel aufmerksam.
Grundversicherung und Zusatz in Ihrer Situation sinnvoll verbinden
Der erste Schritt besteht darin, die Grundversicherung voll zu nutzen: Holen Sie eine ärztliche Anordnung ein, wählen Sie einen zur KVG-Abrechnung zugelassenen Therapeuten und folgen Sie dem Mechanismus zur Neubeurteilung der Sitzungen. Bei den meisten häufigen psychischen Störungen deckt dieser obligatorische Sockel das Wesentliche ab, vorbehältlich Franchise und Selbstbehalt. Ein Erhöhen oder Senken der Jahresfranchise ändert nichts am Leistungsanspruch: Es verschiebt nur den Anteil, den Sie vor dem Eingreifen der Kasse selbst tragen.
### Wann eine VVG-Zusatzversicherung sinnvoll ist Eine ambulante Zusatzversicherung wird relevant, wenn Sie Bedarf ausserhalb der Grundversicherung erwarten: Komplementärmedizin, nicht zugelassener Therapeut, Sitzungen über den vergüteten Rahmen hinaus. Ideal ist ein Abschluss im Voraus, solange Sie gesund und ohne laufende Behandlung sind, um Vorbehalte zu vermeiden. Wird ein Vorbehalt gesetzt, erfragen Sie dessen Dauer und genauen Umfang: Manche sind zeitlich befristet und fallen danach weg, was den Vertrag für die Zukunft nützlich machen kann, auch wenn er es kurzfristig weniger ist.
Kündigung und Wechsel: was Grundversicherung und VVG unterscheidet
Die Kündigung der Grundversicherung folgt klaren Regeln: Für einen Wechsel der Krankenkasse im Standardmodell beträgt die Kündigungsfrist einen Monat, der Termin liegt Ende November, mit Wirkung auf den 1. Januar. Da die Grundversicherung bei jeder Kasse identisch ist, ändert ein Wechsel weder die Anordnung noch den Anspruch auf Sitzungen: Nur die Prämienhöhe variiert je nach Versicherer und Kanton, ein Unterschied, der von Anbieter zu Anbieter eine erhebliche Ersparnis bedeuten kann.
Die VVG folgt dagegen ihren eigenen allgemeinen Versicherungsbedingungen: Vertragsdauer, Ablauftermine und Kündigungsfristen stehen im Vertrag und unterscheiden sich je nach Produkt. Eine Zusatzversicherung zu kündigen, um eine andere abzuschliessen, birgt ein oft unterschätztes Risiko: einen neuen Gesundheitsfragebogen und damit allfällige neue Vorbehalte im Zusammenhang mit Ihrer psychotherapeutischen Behandlung. Vergewissern Sie sich vor dem Verlassen einer VVG zuerst, dass Sie anderswo zu mindestens gleichwertigen Bedingungen einschliesslich Vorbehalten aufgenommen werden.
★ Gut zu wissen
Seit 2022 hat das Anordnungsmodell die delegierte Psychotherapie abgelöst: Ein zugelassener psychologischer Psychotherapeut kann auf ärztliche Anordnung über die KVG abrechnen, mit einer begrenzten Sitzungszahl bis zur Neubeurteilung. Es gelten Franchise und Selbstbehalt. Eine ambulante VVG-Zusatzversicherung greift nur ergänzend für das, was ausserhalb der Grundversicherung liegt, und kann beim Abschluss Vorbehalte enthalten.
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Häufige Fragen
Wird Psychotherapie bei einem Psychologen von der Grundversicherung übernommen?
Kann eine VVG-Zusatzversicherung meine laufende Psychotherapie ablehnen?
Wann kann ich meine Zusatzversicherung für Psychotherapie kündigen?
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