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Franchise erhöhen, gezielte Zusatzversicherung finanzieren: Ein Praxisfall

Eine höhere KVG-Franchise senkt die Prämie und macht einen Teil davon frei, den Sie in eine auf Ihren Bedarf zugeschnittene VVG-Zusatzversicherung umlenken können. Ein konkreter Abwägungsfall.

Von Équipe JA Technology ·

Schweizer-Franken-Banknoten auf einem Tisch
Illustration: Ihr Kündigungsrecht in der Schweiz, einfach erklärt.Photo : Tony Webster · CC BY 2.0

Das Prinzip: Prämienersparnis in gewählten Schutz umwandeln

Die Ausgangslogik ist einfach. Im KVG senkt eine höhere Franchise Ihre Monatsprämie, weil Sie einen grösseren Teil Ihrer Kosten selbst übernehmen, bevor die Krankenkasse eingreift. Die Franchisen für Erwachsene reichen von 300 bis 2 500 CHF, und jede höhere Stufe senkt die Prämie um einen steigenden Prozentsatz. Diese Senkung ist kein reiner Gewinn, sondern liquide Mittel, die Sie bewusst anderweitig einsetzen können, statt sie ungenutzt zu lassen.

Die Idee des Praxisfalls besteht darin, diese Prämienersparnis in eine VVG-Zusatzversicherung zu reinvestieren, die für Ihr Profil tatsächlich nützlich ist. Statt für eine tiefe Franchise zu zahlen, die nur im Krankheitsfall greift, lenken Sie die Differenz in einen Schutz um, den Sie planbar nutzen: stationärer Komfort, Komplementärmedizin, Zahnbehandlungen oder ambulante Leistungen, die die Grundversicherung nicht abdeckt.

Schritt 1: Die frei werdende Prämienersparnis ermitteln

Beziffern Sie vor jeder Abwägung die Differenz genau. Vergleichen Sie Ihre aktuelle Prämie mit jener, die der angestrebten höheren Franchise bei derselben Krankenkasse und in derselben Prämienregion entspricht. Die jährliche Differenz ist Ihr Bruttospielraum. Je nach Stufe kann eine höhere Franchise die Prämie in einem spürbaren Rahmen senken, häufig in der Grössenordnung von 10 bis 25 Prozent.

Diese Ersparnis ist jedoch nie ohne Gegenleistung zu haben. Im Gegenzug zur tieferen Prämie verpflichten Sie sich, vor der Rückerstattung mehr Behandlungskosten selbst zu tragen. Der richtige Reflex besteht deshalb darin, nur jenen Teil der Ersparnis als reinvestierbar zu betrachten, der das zusätzlich eingegangene finanzielle Risiko übersteigt. Dieser vorsichtige Saldo, nicht die gesamte Prämiensenkung, soll Ihre VVG-Zusatzversicherung speisen.

Schritt 2: Die VVG nach Ihrer Behandlungshäufigkeit ausrichten

Die Wahl der Zusatzversicherung hängt vollständig von Ihrem Nutzungsprofil ab. Eine junge, gesunde Person, die selten zum Arzt geht, verträgt eine hohe Franchise problemlos: Sie sollte die Ersparnis in eine stationäre VVG (halbprivate oder private Abteilung, freie Arztwahl) lenken oder in Leistungen, die sie wirklich nutzt, etwa Fitness, Brillen oder Komplementärmedizin.

### Profil mit häufiger Beanspruchung Umgekehrt wird die hohe Franchise riskant, wenn Sie oft zum Arzt gehen, eine regelmässige Behandlung verfolgen oder wiederkehrende ambulante Kosten haben: Sie laufen Gefahr, die Ersparnis durch selbst getragene Kosten aufzuzehren. Hier kann eine gezielte ambulante VVG (Medikamente ausserhalb der Liste, Prävention, Behandlung im Ausland) die Grundversicherung sinnvoll ergänzen, doch die Franchiseerhöhung ist selten der richtige Hebel. Die Abwägung sollte dann Sicherheit vor Optimierung stellen.

Schritt 3: Zeitplan und Aufnahmefähigkeit absichern

Das Timing ist entscheidend, denn beide Versicherungen folgen nicht denselben Regeln. Der Wechsel der KVG-Franchise und der Krankenkassenwechsel erfolgen auf den 1. Januar mit einer Kündigungsfrist von einem Monat: Ihre Kündigung oder Ihr Änderungsantrag muss also vor Ende November eintreffen. Planen Sie diese Frist ein, denn ein verspätet eingegangenes Schreiben verschiebt die ganze Abwägung um ein volles Jahr.

Die VVG dagegen untersteht dem Privatrecht und bietet keine Aufnahmegarantie. Der Versicherer kann einen Gesundheitsfragebogen verlangen, Vorbehalte anbringen oder den Vertrag ablehnen. Schliessen Sie Ihre Zusatzversicherung deshalb ab, bevor Sie im KVG etwas kündigen oder ändern: Solange die gezielte VVG nicht schriftlich akzeptiert ist, rühren Sie Ihren bestehenden Schutz nicht an. Diese Reihenfolge verhindert, dass Sie ohne den angestrebten Schutz dastehen.

Grenzen und Fallstricke der Abwägung

Der erste Fehler besteht darin, nur über die Prämie nachzudenken, ohne den Selbstbehalt zu berücksichtigen. Über die Franchise hinaus zahlen Sie 10 Prozent der Kosten, begrenzt auf 700 CHF pro Jahr für Erwachsene (350 CHF für ein Kind). Dieser Mechanismus kommt zur gewählten Franchise hinzu und muss in Ihre Berechnung des maximalen Jahresrisikos einfliessen, bevor Sie eine hohe Franchise für tragbar erklären.

Der zweite Fallstrick ist die Überschätzung der eigenen Gesundheitsstabilität. Eine Abwägung, die für ein Profil ohne Behandlungen ausgelegt ist, kann nach einem Unfall oder einer unerwarteten Diagnose teuer werden. Überprüfen Sie Ihre Franchise jeden Herbst vor dem Stichtag und passen Sie sie Ihrer realen Lage an. Eine gut ausgerichtete VVG bleibt langfristig nützlich, doch die Franchise sollte ein Regler bleiben, den Sie je nach Entwicklung Ihrer Gesundheit und Ihres Budgets neu einstellen.

Gut zu wissen

Eine höhere KVG-Franchise senkt die Grundprämie, je nach Stufe um etwa 10 bis 25 Prozent. Den so frei werdenden Betrag können Sie in eine gezielte VVG-Zusatzversicherung investieren. Sinnvoll ist diese Abwägung jedoch nur, wenn Sie wenig Leistungen beanspruchen: Bei häufigen Behandlungen setzt Sie eine hohe Franchise dem Risiko aus, vor der Rückerstattung mehr selbst zu zahlen.

Häufige Fragen

Lohnt sich eine höhere Franchise immer, wenn ich eine VVG abschliesse?
Nein. Die Rentabilität hängt von Ihrer Behandlungshäufigkeit ab. Beanspruchen Sie wenig Leistungen, kann die frei werdende Prämienersparnis eine nützliche VVG finanzieren und die Abwägung lohnt sich. Gehen Sie jedoch oft zum Arzt oder verfolgen eine Behandlung, kostet Sie die hohe Franchise durch selbst getragene Kosten womöglich mehr, als Sie bei der Prämie sparen. Prüfen Sie zuerst Ihre Behandlungshäufigkeit.
In welcher Reihenfolge ändere ich die Franchise und schliesse die VVG ab?
Schliessen Sie immer zuerst die VVG ab. Die Zusatzversicherung untersteht dem Privatrecht: Der Versicherer kann Vorbehalte anbringen oder den Vertrag ablehnen. Warten Sie seine schriftliche Annahme ab, bevor Sie Ihr KVG anrühren. Die Franchiseänderung erfolgt danach auf den 1. Januar mit einem Monat Kündigungsfrist, also vor Ende November. Diese Reihenfolge verhindert, dass Sie ohne den angestrebten Schutz dastehen.
Welche Art von VVG sollte ich mit der Prämienersparnis finanzieren?
Das hängt von Ihrem Profil ab. Eine junge, selten kranke Person kann die Ersparnis in eine stationäre VVG (halbprivate Abteilung, freie Arztwahl) oder in genutzte Leistungen wie Komplementärmedizin lenken. Wer regelmässige ambulante Kosten hat, bevorzugt eine gezielte ambulante VVG. Das Ziel: einen planbaren Schutz finanzieren statt einer tiefen, selten genutzten Franchise.

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